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Geschichte des Stadtteils Dierkow

 Aus der Geschichte Dierkows

  • 5. Jahrtausend v.u.Z. Feuersteinwerkzeuge erster Menschen im Raum Dierkow
  • 2. Jahrtausend v.u.Z. Besiedlung der Feldmark Dierkow (bronzezeitliches Gräberfeld)
  • 5. Jahrhundert u.Z. Besiedlung im späteren Dierkow (völkerwanderungszeitliches Grab)
  • 8./9. Jahrhundert bedeutendes frühslawisches Seehandels- und Wirtschaftszentrum am Rande der Dierkower Warnowniederung (Primelberg mit Hortfund eines Edelmetallschmiedes)
  • 11./13. Jahrhundert intensive spätslawische Besiedlung am Primelberg und an der Kiesgrube bei der späteren Dierkower Mühle (Körpergräberfeld und Schatzfund mit Silbermünzen)
  • vor 1300 (laut Fälschung ab 1262) großer Besitzkomplex der Adelsfamilie Moltke im Toitenwinkel mit dem Kirchdorf Toitendorf (später Toitenwinkel) als Zentrum (frühe Zugehörigkeit Dierkows unsicher)
  • 1311 bedeutendes Turnier des Dänenkönigs Erich Menved im Raum Dierkow zwischen Bartelsdorf und Gehlsdorf
  • 1320 Ersterwähnung des Ortsnamens Dierkow (für einen Teil der Rostocker Stadtfeldmark südlich des Dorfes mit Besitzungen der in Dierkow auf einer „Burg“ ansässigen Adelsfamilie Michelstorff)
  • spätestens 1359 Teile von Dierkow gehören zum Moltkeschen Toitenwinkel
  • 1361 mögliche Ersterwähnung der Dierkower Windmühle
  • 1362 Dierkower Bauern tragen als Mitglieder der Dorfgemeinde die Bezeichnung „cives“
  • 1399 letzte Erwähnung des Besitzes der Michelstorffs in Dierkow
  • 1431 der ehemals Michelstorffsche Anteil Dierkows gelangt über Rostocker Bürger an die beiden Rostocker Hospitäler Heilig Geist und Sankt Georg (beide teilen sich abwechselnd in die Einkünfte aus Dierkow), Dierkow ist damit Kommuniondorf mit einem Moltkeschen (Toitenwinkler) und einem Hospitalanteil
  • Ende 15. Jahrhundert längere Verpfändung des ganzen Toitenwinkels durch die Moltkes an das Rostocker Patrizier- und Ratsherrengeschlecht Kerkhof
  • 1518 für Dierkow sind belegt 6 Hufner, 3 Katen (von Letzteren eine wüst, d.h. unbesetzt)
  • 1564 tödliche Verletzung des Toitenwinkler Gutsherrn Carin Moltke durch den Dierkower Müller Thideke Noitinck
  • 1649 nach dem Dreißigjährigen Krieg hat Dierkow (4 Bauersleute und 2 Kossaten) nur wenig Kriegsverluste
  • 1677 Tod des letzten Moltke auf Toitenwinkel, Übergang des Gutskomplexes (samt Dierkower Anteil) an die Adelsfamilie Mandelslohs
  • 1715/35 Verpachtung Toitenwinkels durch die Landesherrschaft an Barthold Hans von Zülow, den Großvater Gebhard Leberecht von Blüchers
  • 1719 erste kartographische Darstellung Dierkows auf dem Plan von Rostock, Warnemünde und Umgebung des mecklenburgischen adligen Offiziers Zülow, einen Sohn des Toitenwinkler Gutspächters
  • 1746 das Rostocker Hospital St. Georg wird durch einen Tausch mit dem Rostocker Heilig-Geist-Hospital zum alleinigen Inhaber des Hospitalanteils von Dierkow
  • 1768 erste exakte Flurkarte von Dierkow auf der Grundlage der Direktorialvermessung
  • 1781 die Mandelslohs verkaufen den Gutskomplex Toitenwinkel (samt Dierkower Anteil) an Herzog Friedrich den Frommen von Mecklenburg-Schwerin, Einrichtung des Domanialamtes Toitenwinkel
  • 1829 Aufhebung der seit dem Mittelalter bestehenden Gemengelage und Separierung der Dierkower Dorfflur, Beginn der Vererbpachtung der Hufenstellen
  • 1832 Bau der zweiten Windmühle in Dierkow (nahe Neu-Hinrichsdorf)
  • 1871 der bedeutende mecklenburgische Landschaftsmaler Carl Malchin fertigt ein Bild der Dierkower Dorfstraße an

 

  • Mit dem 1. Januar 1913 wird das Dorf Dierkow zu Rostock eingemeindet. Es gehört weiterhin zum Kirchspiel der evangelischen Kirche Toitenwinkel.
  • Um 1925 gibt es 5 Hufenpachtstellen, 8 Büdnereien, 7 – 8 Häuslereien und 2 Landarbeiterkaten.
  • Bedeutende steinzeitliche und slawische Grabstellenüberreste können 1925 nachgewiesen werden. Die Funde werden beim Kiesabbau für den Bau der Hinrichsdorfer Straße  nahe der Dierkower Mühle gemacht.
  • Mit Beginn der Nazi-Herrschaft wächst auch in Rostock die Rüstungsindustrie rasant und damit auch der Arbeitskräfteanwerbung in ganz Deutschland und damit die  Wohnungssuche. In Dierkow entsteht nach Gartenstadtplänen von 1913 ab April 1933  bis etwa 1938 die Siedlung Dierkow-West  und zwischen 1936 und 39 die Siedlung Dierkow-Ost. Ab April 1936 gehören sie zur Kirchgemeinde St. Petri. Die dort zugezogenen katholischen Christen gehen in die Christuskirche am Schröderplatz.
  • 1935 gibt es in Dierkow-West bereits das Reichsarbeitsdienstlager „G. L. Blücher“.
  • 1936 bis 39 erfolgen auf ca. 300 m Länge Tiefbauarbeiten mit Brückenbau an der Dierkower Höhe, angeblich zwecks Bau einer Eisenbahnverbindung nach Markgrafenheide. Die Arbeiten werden 1939 mit Kriegsbeginn beendet.
  • Von 1938-40 erfolgt der in Rostock einzige Schulneubau während der Nazi-Zeit in Dierkow-Ost an der heutigen Gutenbergstraße. Ab 1942 ist die Schule bereits Lazarett. Die Kinder  aus D. werden ins Stadtzentrum umgeschult.
  • Im Durchstich an der Dierkower Höhe bis zur Brücke entsteht während des Zweiten Weltkrieges eines der vielen Barackensammellager Rostocks für Kriegsgefangene und verschleppte Zwangsarbeiter-/innen, hier für etwa 500 von ihnen.
  • Ab Kriegsjahr 1944 werden auch die Rostocker Schulkinder und Lehrer-/innen wegen der Bombardierungen in umliegende Dörfer evakuiert.
  • Nach der Besetzung Rostocks am 1. Mai 1945 durch Panzerverbände der Roten Armee sind auch die Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter von der Nazi-Herrschaft befreit. So auch in Dierkow.
  • 8. Mai 1945 Bedingungslose Kapitulation des faschistischen Deutschland vor den Siegermächten der  Antihitler-Koalition.
  • Nach Kriegsende entstehen zeitweilige Internierungslager in allen vier Besatzungszonen Deutschlands zwecks Entnazifizierug des deutschen Volkes, so die Intentionen der alliierten Siegermächte. Im Nordosten der SBZ wird dafür das von der deutschen Wehrmacht betriebene große Kriegsgefangenenlager Neubrandenburg – Fünfeichen  zum Speziallager umgenutzt. Auch viele Rostocker sind dort interniert.
  • Die Verordnung über die Durchführung der demokratischen Bodenreform vom 5. September 1945 in der SBZ verändert auch die Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden, so auch in Dierkow und auf dem städtischen Gut Alt Bartelsdorf. Die späteren LPG-Gründungen (1958/60) tangieren diese ebenfalls.
  • 1949-1951 erbaut die neue ev. Kirchgemeinde Dierkow das „Slüterhaus“.
  • 1952:  Länder- und Kreisstrukturreform in der DDR; Rostock wird Bezirkshauptstadt und damit Dierkow einer ihrer Stadtteile.
  • Oktober 1957-Baubeginn des DDR-Überseehafens in Petersdorf an der östlichen Warnowmündung. 1959 erhalten  Dierkow und Toitenwinkel  S-Bahnanschluss.
  • Von 1966 bis 1986 befindet sich unterhalb der Dierkower Höhe nahe der Zingelwiese ein staatliches Kinderheim.
  • Am 30. 6. 1978 beschließt die Rostocker Stadtverordnetenversammlung den Aufbau neuer Wohngebiete in Gehlsdorf, Toitenwinkel, Dierkow und Alt Bartelsdorf. In Dierkow beginnen die Erschließungsarbeiten am 6. Oktober 1980.  Gebaut werden sollen in Dierkow etwa 6900 Neubauwohnungen für nahezu 21000 Menschen in Dierkow-Neu. Nach gravierenden Einsparmaßnahmen werden die Baugebiete in Gehlsdorf und Alt Bartelsdorf gestrichen und die Baukonzeptionen verändert. Die ersten Wohnungen in Dierkow-Neu werden am 30. 4. 1984 in der Allee der Bauschaffenden / heute K.-Schumacher-Ring übergeben.
  • Bei Baumaßnahmen am Dierkower Damm für Erschließungsarbeiten des neuen Toitenwinkler Wohnkomplexes werden 1985 erneut überregional bedeutende archäologische Funde aus der slawischen Besiedlungszeit gemacht.
  • 1988 ist Dierkow-Neu Rostocks kinderreichstes Stadtgebiet. 6 neue Schulen, 5 Kindergarten-/ Krippenkombinationen und 3 Kaufhallen sind übergeben. Es fehlen die lange geplanten kulturellen und verkehrstechnischen Infrastrukturmaßnahmen.
  • Nach der gesellschaftspolitischen Wende 1989/90 konstituieren sich die neu gewählten Dierkower Ortsbeiräte.   1993 - Übergabe des neuen Dierkower Zentrums mit neuer Einkaufspassage, einem  Ärztehaus, der Stadtteilbibliothek und Gastronomie. Die alten Baracken an der Gutenbergstraße werden abgerissen.
  • Bedingt v. a. durch wachsende Arbeitslosigkeit und fehlende kulturelle Infrastruktur sinkt die Einwohnerzahl  von Dierkow-Neu bis 2003 um etwa 50 % auf 10898 Einwohner-/innen. Weitere umfangreiche Wohnumfeldverbesserungen werden langfristig gefördert. In Dierkow-Ost und -West bleibt die Einwohnerzahl konstant.
  • Im ehemaligen alten Dorfkern wächst eine neue Eigenheimsiedlung zwischen 1998 bis 2000, Einkaufsmärkte siedeln sich an. Im Jahre 2012 gibt es in Dierkow noch 3 Schulen, das Musikgymnasium „Käthe Kollwitz“,  in der DDR ab 1964 „Egon-Schultz-Oberschule“, außerdem die Grundschule „Ostseekinder“ im zuvor geschlossenen Ernst-Barlach-Gymnasium und an der Hinrichsdorfer Straße befindet sich nach wie vor die kommunale Berufsschule. 2005 wird aus dem Kinderfreizeithaus (frühere Kita) das Dierkower SBZ. Dierkow gehört ab 2006 zum Förderbereich des  Bund-, Länder-u. Kommuneprogramms „Die soziale Stadt“.  2007 wird der Dierkower Graben nach der Brückensanierung 2005 zum grünen Wanderweg mit Warnowanbindung umgestaltet.

 

Verfasser:      

Ralf Mulsow, Stadtarchäologe Rostock,

Prof. Dr. Ernst Münch, Historiker an der Universität Rostock

Dierkower Geschichtswerkstatt im SBZ Rostock-Dierkow

 

 

 

zu den "Mosaiksteinen aus der Stadtteilgeschichte von Rostock-Dierkow ab 1913" auf der Seite der  Dierkower Geschichtswerkstatt

 

Dierkow in Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

Das Slüterhaus in Wikipedia

 

Zum Bau des Slüterhauses 1950/1951 - Artikel aus DER DIERKOWER Dezember 2010